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Kinder

verfasst am 22.07.2014 - soll gelesen werden am 22.07.2044

 

Kinder,

 

im Jahr 2014 lebten wir in einer verrückten Welt. Wenn wir von „uns“ sprachen, meinten wir damit die „entwickelten“ Länder. Natürlich waren in unseren Augen alle Menschen gleich! Nur manche eben nicht ganz so gleich wie wir. Denn wir, das sind die Fleißigen! Wir waren so fleißig, wir ließen sogar unser Geld für uns arbeiten. Ihr wisst nicht, wie Geldscheine arbeiten? Nun ja, so genau hab ich das auch nie verstanden, aber es war eine tolle Sache. Denn wer erst mal zu Geld gekommen war, konnte dies an andere verleihen und daran verdienen. Das System war so aufgebaut, dass sich das Vermögen immer dann umso rasanter vermehrte, umso mehr man schon hatte. Menschen hingegen, die gar nichts hatten, bekamen auch weiter nichts.

 

Aber das war nur gerecht!

Denn schließlich konnte jeder Geschäftsführer einer Bank werden, wenn er sich genug anstrengte. Außer man war eine Frau, aber auch das ist man ja irgendwie selber Schuld. Leider hat man uns nicht gesagt, dass trotzdem nicht mehrere Millionen Menschen Geschäftsführer von großen Banken in Deutschland werden konnten. So viele Jobs gab es da gar nicht. Allgemein war die Arbeitsplatzsituation komisch. Es gab da diese zwei Gruppen: diejenigen, die mehr Arbeit hatten als sie ohne krank zu werden bewerkstelligen konnten und diejenigen, die keine Arbeit bekommen haben. Ich weiß, die Lösung, dass alle, die wollen, arbeiten und dafür halt etwas weniger Stunden, sieht aus heutiger Sicht sehr naheliegend aus, aber damals ist da irgendwie niemand drauf gekommen.

 

Die Sache hatte nämlich einen Haken:

Wenn es allen Menschen gut gehen soll, jeder die Möglichkeit hat, einem Job nachzugehen, von dem er leben kann, müssen die Leute, die gar nicht genau wissen, wie viele Millionen sie eigentlich auf dem Konto haben, einen für sie nicht spürbaren Betrag davon abgeben. Oder nicht einmal abgeben, nur zukünftig nicht mehr dazu verdienen. Das hört sich trotzdem nach einer fairen Lösung an? Nun ja, für die Masse schon, aber für die obersten 5% leider nicht. Die „leiden“ ja darunter. Und da ihnen alle großen Firmen gehört haben und sie entsprechenden Einfluss auf Politik und die „freie“ Presse hatten, konnten sie auch alles lenken. Man sah es damals als eine sinnvollere Tätigkeit an, in simulierten Supermärkten mit Spielgeld die Arbeitslosen 40 Stunden pro Woche zu beschäftigen – natürlich ohne Entlohnung – als ein Kind zu erziehen oder einen hilfsbedürftigen Menschen zu pflegen. Im Jahre 2014 waren wir auch schon durchaus fortschrittlich.

 

Wir haben viel mehr produziert als wir jemals hätten verbrauchen können.

Dabei haben wir uns schon alle Mühe gegeben und versucht, alles aufzuessen. Von unserem restlichen Geld haben wir dann das Fitnessstudio bezahlt und Bücher mit Diättipps gekauft. Aber mal ehrlich: wir hatten wirklich genug und hätten uns ganz entspannt zurücklehnen können. Stattdessen wurden immer mehr skurrile Jobs erfunden, damit die Menschen beschäftigt waren. Denn sozial angesehen war nicht der, der es schaffte, sich selbst mehr oder weniger sinnvoll zu beschäftigen, sondern der einer bezahlten Beschäftigung nachgegangen ist – egal wie unnütz sie gewesen sein mag. Jedoch wurde man nicht reich, indem man gearbeitet hat. Davon kam man allenfalls über die Runden. Reich wurde man eigentlich nur, wenn man andere Leute bzw. sein Geld für sich arbeiten ließ.

 

Warum wir so lange an dem ganzen Unsinn festgehalten haben?

Selbst als schon etliche Symptome des Systems zum Vorschein kamen? Weil wir so beschäftigt waren, dass wir keine Zeit hatten, darüber nachzudenken. Play the game. Selbst die Menschen, die keine Arbeit hatten, wurden vom Fernsehen und Internet die ganze Zeit vom denken abgehalten. Die Leute, die kontroverse Meinungen hatten, haben wir als extreme Spinner abgetan. Heute regieren sie uns. Es tut mir leid, dass ich damals den Planeten so weit zerstört habe. Aber hey, dafür könnt ihr vielleicht demnächst auf dem Mond leben, den haben wir euch immerhin weitestgehend ganz gelassen! Als Kind habe ich in der Schule in Geschichte von Kriegen aus der Vergangenheit gehört und war wütend auf die Leute, die damals tatenlos zugesehen haben. Im Jahre 2014, nachdem ich 5 Jahre aus der Schule raus war, entdeckte ich mich selbst dabei, wie ich bei vielen Kriegen tatenlos zugesehen hatte.

 

Und ja, ich schäme mich heute, dass ich damals Tiere gegessen habe.

Ich weiß, das wäre heute unmöglich, aber damals war es normal, obwohl wir im Überfluss gelebt haben. Tiere waren sehr teuer, selbst in der Massentierhaltung. Wenn wir damals schon darauf verzichtet hätten, wären nicht jeden Tag über 7.000 Kinder am Hungertod gestorben. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass dieses Thema aber auch nirgends präsent war. Vielleicht an ein paar abgefahrenen Ökoständen, aber sonst nicht. Das Datum, was sich (nach meinem Geburtstag) am meisten in meinen Kopf eingebrannt hat, ist der 11. September 2001. An dem Tag sind infolge von Terrorismus etwa 3.000 Menschen gestorben. Ich möchte das nicht herunterspielen, das war definitiv schrecklich. Aber für den Tod dieser Menschen war eine relativ kleine Gruppe verantwortlich. An dem Tod der 7.000 Kinder – jeden Tag – waren wir passiv alle irgendwie Schuld. Das wären im Jahr 2014, wenn ich mich seit dem 18. Lebensjahr als handlungsfähig ansehen würde, 15,6 Millionen Kinder, deren Tod ich zumindest nicht verhindert habe. Nun gut, abzüglich meinen monatlichen Spenden an „Unicef“ und „Brot für die Welt“, darf ich meine persönliche Zahl vielleicht etwas runterschrauben. Aber auch das war ja nur Symptombekämpfung.

 

Es ist schade, dass ihr Grönland niemals kennenlernen werdet.

Damals gab es dort riesige Eisflächen, so groß wie mehrere Länder. Schade, dass ich nie da war als es das noch gab. Es ist übrigens auch schade, dass Elefanten und Löwen ausgestorben sind und Spinnen und Nazis hingegen überlebt haben. Die hätte ich nicht vermisst. Und für die Menschen, die unzufrieden mit dem System waren und auf Besserung gehofft haben, gab es dann immer noch die Religionen. Eine geniale Erfindung, wenn ihr mich fragt! Denn Religion und Glaube konnten Berge versetzen. Warum im Diesseits das Leben führen, was man gerne leben würde, wenn man dafür noch auf ewig im Himmel Zeit hat? Und warum sollte einem der Zutritt zum Himmel verwehrt werden, wenn die Morde, die man begangen hat, doch nur im Namen der Religion stattgefunden haben? Das war wirklich ein hervorragendes Konzept der Gehirnwäsche. Kein Wunder, dass es sich so lange gehalten hat. Manchmal bin ich fast ein bisschen neidisch, dass es nicht mir eingefallen ist. Und es ist auch noch gar nicht so lange her, dass der Kauf von Menschen auf Zeit abgeschafft wurde. Als das „älteste Gewerbe der Welt“ bezeichnet, fand die Prostitution eine fast schon natürliche Legitimation ihrer Daseinsberechtigung. Ein Axiom, das die Gesellschaft nicht in Frage stellen durfte. Damals gab es auch keinen Mindestlohn. Manche Menschen haben für 3 oder 4 Euro pro Stunde gearbeitet. Ich weiß, der kleinste Kaffee bei Starsucks (Name von Redaktion geändert) kostet heute schon 8 Euro, da hätte man damals viele Haare für schneiden müssen.

22.7.14 09:32, kommentieren

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Für eine bessere Welt

Das Einzige, was ich an Religion wirklich beeindruckend finde, ist ihre höchst erfolgreiche Gehirnwäsche, die seit Jahrtausenden bei dem Großteil der Menschheit funktioniert.

 

Was ist eigentlich die Idee einer Religion?

Es ist der Glaube an etwas, das man nicht erfassen kann, weil es größer ist als man selbst und alles, was es auf der Welt gibt oder jemals gab. Dieses etwas ist gleichzeitig der Schöpfer, hat Einfluss auf die Menschen (weswegen es sich auch lohnt, sich gut mit ihm zu stehen!) und wird gerne personifiziert.

Viele Menschen sind z. B. davon überzeugt, dass etwas so Großartiges wie das Universum, die Natur oder der Mensch nicht zufällig entstanden sein können, weil dies zu unwahrscheinlich erscheint. Es ist tatsächlich auch extrem unwahrscheinlich! So wie wenn ein Lottospieler sich darüber wundert, dass er den Jackpot gewonnen hat. Aber unwahrscheinlich bedeutet nicht unmöglich! Wenn die Idee des Zufalls gepaart mit natürlicher Selektion zu unwahrscheinlich scheint, versucht man alternative Erklärungen zu finden. Und was wäre da naheliegender als ein aus dem Nichts kommendes Wesen, das Superkräfte besitzt und Spaß daran hat, täglich mehrere Milliarden Anfragen von der Erde zu beantworten und die Menschen ab und zu vor Prüfungen zu stellen? Stimmt, so ziemlich alles! Aber das hören Gläubige gar nicht gern.

Genauso wenig mögen sie es, wenn man ihnen sagt, dass die Axiome, die ihr Leben bestimmen, vielleicht ja gar nicht von Gott, sondern von irgendwelchen Leuten aufgeschrieben wurden. Aber ich möchte mich nicht über diese Menschen lustig machen. Es ist nicht leicht, wenn man sein Leben lang an etwas geglaubt hat, irgendwann zu erfahren, dass es das vielleicht gar nicht gibt. Oder sogar höchstwahrscheinlich. In dem Moment tritt bei den Gläubigen Dissonanz auf: auf einer kognitiv-rationalen Ebene sehen sie ein, dass ihr Glaube eigentlich nicht besonders viel Sinn macht. Aber wer will schon mit 46 Jahren feststellen, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt? Das muss bitter sein! Daher werden alle logischen Argumente, die dagegen sprechen, einfach verdrängt, weil es zu schlimm wäre, den Glauben aufgeben zu müssen. Schließlich hat der Glaube doch auch so viel bewirkt!

Welcher Gläubige erinnert sich nicht daran,

...schon oft für Dinge gebetet zu haben, die dann auch genau so eingetreten sind? Wenn das kein Beweis ist, weiß ich auch nicht weiter! Aber woher will man wissen, dass die Dinge nicht auch eingetreten wären, wenn man nicht gebetet hätte? Kann man nicht wissen! Und sind, wenn man sich mal genau erinnert, auch nicht viele Dinge trotzdem passiert, obwohl man im Gebet etwas anderes gewünscht hatte? Es verhält sich genau wie mit Vorurteilen: jedes Mal, wenn wir ein Vorurteil bestätigt sehen (z. B. ein arbeitsloser Ausländer), merken wir uns diese Situation sehr genau und verfestigen damit unser Vorurteil. Die etlichen Gegenbeispiele, die in der Summe eindeutig gegen das Vorurteil sprechen (die etlichen Ausländer, die Arbeit haben) nehmen wir nicht wirklich wahr, weil unsere Aufmerksamkeit selektiv ist und das Gedächtnis gegenteilige Meinungen nur ganz schlecht speichern kann.

Sie glauben mir nicht?

Dann machen sie doch mal folgendes Experiment: führen Sie den nächsten Monat eine Liste mit Geschehnissen auf die sie keine (wirklich keine!) Einflussmöglichkeiten haben, die ihnen aber am Herzen liegen, z. B. den Ausgang eines Fußballspiels. Zu jedem Ereignis brauchen sie drei Spalten: in der ersten tragen Sie ein, was Sie sich dafür im Gebet wünschen (dafür vs. dagegen). In der zweiten Spalte tragen Sie das Ergebnis eines Münzwurfes ein (guter oder schlechter Ausgang) und in der letzten Spalte dann im Nachhinein das tatsächliche Ergebnis. Sie sollten möglichst viele Ereignisse aufschreiben, damit die Wahrscheinlichkeit von 50% eine Chance bekommt, sich normal zu verteilen. Wenn am Ende des Monats Ihre „Trefferquote“ vom Beten nicht eindeutig höher ist, scheint es entweder keinen Gott zu geben oder er interessiert sich zumindest nicht für Ihre Belange. In beiden Fällen wäre beten zwecklos.

Wenn sie abergläubisch veranlagt sind und weiterhin an Ihren Gott still und heimlich glauben wollen – nur zu! Die Gedanken sind frei. Nur bitte gründen Sie nicht mit Milliarden anderen Abergläubischen einen Verein und nennen sich „katholische Kirche“ oder so. Denn wenn einzelne Menschen für sich privat an einen Gott glauben, tun sie damit niemandem weh. Aber wenn sie sich zusammenschließen, Moralvorstellungen predigen und „im Namen Gottes“ diese dann mit ihrem Leben verteidigen, beginnt es sehr schnell, problematisch zu werden. Wenn jemand was gegen Ausländer hat, befürworte ich das auch nicht, aber wir haben ja Meinungsfreiheit. Aber wenn diese ausländerfeindlichen Menschen sich zusammen tun und ihrem Glauben nachgehen, wird dies mit gutem Recht strafrechtliche Konsequenzen haben. Mit welchem Recht dürfen Gläubige machen, was sie wollen? Sie führen Kriege, verbrennen „Hexen“, bringen Opfer und erheben sich moralisch über den Lebensstil anderer Menschen.

Und wofür? Für ihren Aberglauben!

Wenn es keine Religionen mehr gäbe, könnten die Menschen viel friedlicher zusammenleben. Keine religiös motivierte Gewalt mehr, weder psychisch noch als Krieg. Keine Selbstkasteiung dafür, dass man nicht den Vorstellungen „Gottes“ entspricht. Keine zig tausend Jahre alten Moralvorschriften.

Glauben Sie ohne Religion würde morgen ein Bürgerkrieg ausbrechen? Die Polizei käme den Morden und Gewaltverbrechen nicht mehr hinterher? Ich kann hier nur für mich sprechen: aber ich würde nicht mit jemanden befreundet sein wollen, der mich nur deswegen nicht umbringt, weil er dann in die Hölle kommen könnte!

7.7.14 21:12, kommentieren